die Welt im Krisenmodus – wenn Sicherheiten wegbrechen

+++ Zivilisation vor Zusammenbruch +++

Habe ich Ihre Aufmerksamkeit? Gut! Das wollte ich.

Die Welt im Krisenmodus

Seit Jahren, so hat man den Eindruck, befinden wir uns im Krisenmodus. Was sicher war, scheint wegzubrechen. Doch das ist nur ein Teil der Wahrheit! Der andere ist die Verzerrung unserer Wahrnehmung. 

In der heutigen Medienlandschaft wird der Erfolg an der Anzahl von Klicks gemessen. Es geht um Aufmerksamkeit. Doch die Konkurrenz ist groß, der Wettbewerb hart. Und so müssen Schlagzeilen immer drastischer formuliert werden.

Es braucht Emotion, um den Leser oder Zuschauer anzulocken. Dabei spielt Marketing oft eine größere Rolle als objektive Berichterstattung.

Ziel: Aufmerksamkeit um jeden Preis.
Journalisten, Influencer und Politiker arbeiten geschickt mit reißerischen Begriffen und dramatischen Bildern. Nachrichten werden so aufbereitet, dass sie unser Bauchgefühl direkt ansprechen und uns in einen Zustand ständiger Alarmbereitschaft versetzen. Dabei verschwimmen die Grenzen zwischen echter Information und inszenierter Hysterie.

Emotionen sind heute wichtiger als Fakten.

Besonders in Zeiten von Krisen und gesellschaftlichen Umbrüchen sorgt dieser Trend dafür, dass Ängste und Unsicherheiten überproportional dargestellt werden. Denn evolutionsbedingt reagieren wir auf den Säbelzahntiger heftiger als auf Bambi. Das weiß jeder, der sich Gehör verschaffen will (oder beruflich muss).

Und so sind wir nun gelandet in einer immer hysterischer werdenden Welt: „Alles geht den Bach runter.“ „Die Wirtschaft steht vor dem Zusammenbruch, unsere Zivilisation am Abgrund.“ „Die Preise explodieren.“ „Behörden verlieren die Kontrolle.“ „Krieg und Terror bedrohen uns.“ „Die Zwangsenteignung ist geplant.“ „Und wir werden täglich vergiftet.“

Wirklich?

So wird es uns zumindest permanent erzählt. Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich sage nicht, dass alles frei erfunden ist. Natürlich gibt es Problemfelder, die angegangen werden müssen. Aber ob es wirklich immer gleich das große Drama und den bevorstehenden Weltuntergang braucht?

Sicher ist auf jeden Fall eines: Medienschaffende und Politiker bekommen Aufmerksamkeit – und wir Angst!
Dadurch steigt unser Stresspegel. Wir sind anfälliger für Herz-Kreislauferkrankungen. Unsere Immunabwehr gegen Tumore wird geschwächt. Unsere Lebensfreude trübt sich ein und die Qualität desselben nimmt ab …

„Breaking News“ – wörtlich „hereinbrechende Nachrichten“. Achten Sie darauf, dass diese Nachrichten Sie nicht zerbrechen! Gönnen Sie sich Abstand. Schauen Sie nicht ständig hin und vor allem: Seien Sie kritisch!

Verschließen wir dadurch die Augen vor der Wirklichkeit?

Nein! Natürlich gibt es sie, die Krisen, Unsicherheiten und Gefahren.
Das Problem ist ein doppeltes:

Zum einen sind Nachrichten aus aller Welt immer und überall verfügbar.
Vor 200 Jahren fiel in China auch der berühmte Sack Reis um. Aber davon hat Ihr Urgroßvater nie erfahren! Es gab schon immer Krisen, Kriege und Katastrophen. In manchen Epochen größere als heute. Heute aber bekommen wir diese in Echtzeit geliefert – in Dauerschleife – wenn es sein muss, bis ins Schlafzimmer.

Zum anderen sind wir es nicht mehr gewohnt, mit den Widrigkeiten des Lebens umzugehen.
In unserer westlich-zivilisierten Welt sind wir über viele Jahre dem Trugschluss aufgesessen, dass man Kontrolle oder gar Sicherheit im Leben haben könne!

Wir haben geglaubt, dass wir die Krankheiten und Seuchen im Griff und überwunden hätten. Dann kam die Pandemie. Wir haben geglaubt, dass wir aus den Gräueln des 2. Weltkriegs etwas gelernt hätten. Und plötzlich herrscht Krieg in Europa. Wir haben geglaubt, dass die Demokratie die beste aller Regierungsformen ist. Und auf einmal gewinnen Diktaturen die Oberhand. Wir haben geglaubt, unser Wirtschaftssystem sei stabil. Und zunehmend beschleicht uns die Sorge, dass uns das alles auch um die Ohren fliegen könnte.

Sind wir sicher? Sicher nicht!
Und da können wir uns auf noch so viele Eventualitäten vorbereiten und noch so viele „VerSicherungen“ abschließen. Das Leben ist nicht beherrschbar. Nicht im Kleinen, nicht im Großen. Das Einzige, was sicher ist, ist die Unsicherheit. Das mag uns Angst machen. Aber damit müssen wir leben.

Als 1945 zwei Atombomben über Japan abgeworfen wurden und sich im Anschluss die Welt in ein nukleares Wettrüsten hineinsteigerte, wuchs bei vielen wieder die Angst vor einem neuen, endgültigen Krieg. Damals schrieb der irische Schriftsteller C.S. Lewis ein paar Zeilen, die wir uns auch heute noch zu Herzen nehmen könnten (aus „On Living in an Atomic Age“):

„In mancher Hinsicht nehmen wir die Atombombe viel zu wichtig. ‚Wie sollen wir in einem Atomzeitalter leben?‘ Ich bin versucht, zu antworten: ‚Na, so wie Sie im 16. Jahrhundert gelebt hätten, als London fast jedes Jahr von der Pest heimgesucht wurde, oder wie Sie im Wikingerzeitalter gelebt hätten, als Räuber aus Skandinavien jede Nacht hätten anlanden und Ihnen die Kehle durchschneiden können; oder so, wie Sie jetzt bereits im Zeitalter von Krebs, Syphilis, Lähmung, Terroranschlägen, Flugzeugunglücken und Autounfällen leben.‘ Mit anderen Worten: Fangen wir nicht an zu glauben, dass wir es mit einer völlig neuartigen Herausforderung zu tun haben. Glauben Sie mir: Sie und alle, die Sie lieben, waren schon zum Tod verurteilt, bevor die Atombombe erfunden wurde. […] Der Tod ist keine Möglichkeit, sondern eine Gewissheit. Wenn diese Atombombe uns alle vernichtet, dann soll sie uns dabei erwischen, wie wir sinnvolle und menschliche Dinge tun – beten, arbeiten, unterrichten, lesen, Musik hören, die Kinder baden, Sport treiben oder mit unseren Freunden bei einem Bierchen und einer Runde Dart plaudern. Wir sollen nicht zusammengekauert wie verängstigte Schafe über Bomben nachdenken. Die Bombe mag unseren Körper zerstören [das kann eine Mikrobe auch], unseren Geist darf sie nicht beherrschen.“

Möge das auch für unseren Blick auf andere uns ängstigende Krisen und Unsicherheiten gelten – von der Bedrohung durch einen Virus über explodierende Energiepreise, durchgeknallte Politiker, bis hin zum persönlichen Schicksal.

Krisen und Unsicherheiten gehören zum Leben. Lassen wir nicht zu, dass die Angst uns lähmt und uns den Mut zum Leben raubt!

Was wir in unsicheren Zeiten brauchen: Selbstsicherheit

Wir stützen uns auf Dinge oder auch Menschen und hoffen, in ihnen Sicherheit zu finden. Wir haben „Fremdsicherheit“. Was aber, wenn diese wegbricht? Was, wenn sich bisher geglaubte Gewissheiten auflösen? Was, wenn die Welt in Bewegung ist?

Was wir brauchen, ist Selbstsicherheit
Haben Sie schon einmal ein Kind beobachtet, wie es mit Stützrädern Fahrradfahren lernt? Es hängt windschief auf dem Sattel und eiert durch die Gegend.

Wenn sie die Stützräder abschrauben, gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder das Kind legt sich auf die Nase oder es lernt Fahrrad zu fahren. In der Regel passiert zunächst Ersteres: Knie und Hände blutig. Aber dann, mit etwas Übung, zunehmend das Zweite. So entsteht Selbstsicherheit!

Vielleicht sollten wir dankbar dafür sein, dass uns die Sicherheiten genommen werden! Vielleicht liegt genau hier die Chance, zu lernen, nicht auf das „da draußen“, sondern auf mich selbst zu bauen! Daran zu glauben, dass ich in der Lage bin, die Widrigkeiten des Lebens und auch dessen Niederlagen zu meistern. Ja, ich mag mir blutige Knie und Nasen holen. Aber am Ende lerne ich, mir selbst zu vertrauen und Stabilität in einer sich wandelnden Welt zu finden.

 

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